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Das Wort
Eine freie Reflexion in Richtung Unsinn

Conrad E. Neubert
Jena 

Joh 1,1
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.

Ganz ohne Zweifel trifft der erste Halbsatz hier zu: Das Wort war, und ist sogar, im Anfang dieses Textes. Der Rest des Zitats klingt nur schön,1 lassen wir ihn also unreflektiert stehen und wenden wir uns wirklich wichtigen Dingen zu. Der Themenfindung, denn das Thema muss ja klar sein, damit man sinnvoll schreiben und lesen kann.
Thema soll das Wort sein. Aber natürlich ist das im höchsten Grade missverständlich. Liest man den vorvorletzten Satz und die Überschrift daraufhin wieder, kann man zu der Einsicht gelangen, dass das eigentliche Thema, das eigentliche Wort, über das frei und in Richtung Unsinn reflektiert werden soll,2 fehlt. Das bedeutet ein grundsätzliches, allerdings durch die Überschrift provoziertes Missverständnis. Damit muss ich also eine Korrektur der Überschrift vollziehen, die nämlich heißen sollte:

„Wort“
Eine freie Reflexion in Richtung Unsinn

Ich habe mir erlaubt, den Artikel zu unterschlagen,3 er ist ja auch nicht bedeutungsgebend.
Hier muss ich einen weiteren Einwand gegen meinen Text erheben, denn es besteht kein Zweifel darüber, dass die jetzige Formulierung ohne alle Präzision ist. Sie gibt nur eine vage Idee vom Folgenden, denn natürlich behandele ich als Student der Theologie nicht den Begriff „Wort“ in allen seinen Facetten, sondern nur in bestimmten, sehr eingegrenzten Blickwinkeln. Nennen wir also den Artikel besser:

 „Wort“
Eine freie Reflexion eines Theologen in Richtung Unsinn

Nun ist es ja so, dass das Wort ein gerade für die evangelische Theologie zentraler Begriff ist,4 es ist überhaupt ganz sicher, dass ein katholischer Theologe ganz anders und viel viel weniger evangelisch schreiben würde. Um enttäuschte Erwartungen zu vermeiden, schlage ich darum besser den Titel vor:

„Wort“
Eine freie Reflexion eines evangelischen Theologen in Richtung Unsinn

Schwer wiegt die Bürde des Anspruchs, der damit erhoben wird. Ich ein Theologe? Mitnichten, schließlich lässt meine einstellige Semesterzahl auf entsprechende Kenntnis und Fähigkeit schließen. Man erlaube mir daher eine weitere Erweiterung:

„Wort“
Eine freie Reflexion eines evangelischen Theologiestudenten in Richtung Unsinn

Eine schöne Überschrift, nicht wahr?5 Allerdings ist das Wort als ein theologischer Begriff so schwer und vielfältig belastet, dass sich mit ihm umfassend zu beschäftigen die Grenzen eines einfachen Artikels sprengen muss, es erledigt sich von selbst, dies zu unternehmen.
Also nicht umfassend. Auf einen Aspekt beschränkt.

„Wort“
Eine freie, eingeschränkte Reflexion eines evangelischen Theologiestudenten in Richtung Unsinn

Also, das ist natürlich Unsinn.

„Wort“
Eine eingeschränkte Reflexion eines evangelischen Theologiestudenten in Richtung Unsinn

Besser. Da jetzt festgestellt ist, dass einen Themeneinengung zu erfolgen hat,6 bleibt zu untersuchen, wohin diese geschehen soll. Wäre es nicht möglich, einen Aspekt zu wählen, der meinen bescheidenen Kenntnissen entspricht? Aber nun ist es ja auch nicht so, dass mein Wissen in der Weise gering wäre, als dass es nur einen kleinen Bereich der Theologie umfassen würde, sondern vielmehr sehr bruchstückhaften Charakters ist. Kann man hier der Hochstapelei entgehen? Vielleicht etwa so:

„Wort“
Eine eingeschränkte und schlecht fundierte Reflexion eines evangelischen Theologiestudenten in Richtung Unsinn

Damit ist dem Charakter des Autors genüge getan. Aber wer soll dann lesen? Das Thema muss angesichts der Zielgruppe offen für ein ganz allgemeines Bildungsspektrum sein und trotzdem genügend Assoziationspunkte für Wissenschaftler anderer Gebiete anbieten.7 Wenn man also dies in den Titel aufnehmen will, muss man zwei gegenläufige Bewegungen zum Ausdruck bringen.

„Wort“ – ganz allgemein und doch speziell
Eine eingeschränkte und schlecht fundierte Reflexion eines evangelischen Theologiestudenten in Richtung Unsinn

Damit ist zwar Wichtiges beachtet, aber gar nicht das nun schon zweimal angesprochene Problem des ganz konkreten, substantiellen, methodenbestimmenden und gliedernden Inhalts gelöst.
Von Interesse und innerhalb der Möglichkeiten, die der vorgegebene Rahmen lässt,8 wäre die Frage: Welche Berührungspunkte gibt es zwischen dem theologischen und dem gemeinhin gemeinten, umgangsprachlich und hochsprachlich verwendeten, aber jedenfalls doch recht verbreiteten Wort „Wort“. Darum halte ich folgenden Titel für ideal:

„Wort“ – in der ganz allgemeinen Theologie und speziell in der Alltagssprache
Eine eingeschränkte und schlecht fundierte Reflexion eines evangelischen Theologiestudenten in Richtung Unsinn

Unter diesem Titel also könnte ein Aufsatz von mir geschrieben hier stehen. Leider habe ich das mir zur Verfügung stehende Kontingent an Geisteskraft mit den formulierten Gedanken ausgeschöpft. So muss dieser Text wie jedes mit wissenschaftlichem Ernst betriebene Projekt unvollendet abgeschlossen werden.9
[1] Vgl. Friedhelm Weiser: Regeln einer biblischen Ästhetik. Würzburg 1966, 25. Weiser vertritt zwar eine generell etwas voreingenommene Position, wie Berthold Bruch: Ästhetik in der Rezeption. Burzwürg 1954, S. 81 richtig bemerkt, hier jedoch sind seine Argumente unwiderlegbar.
[2] Ähnliches hat schon Robert the Bruce: Unsinn im Wort. Scottingham 1327 unternommen. Allerdings wurde das Werk vom glänzenden Einfall der Engländer vernichtet, so dass uns heute nur noch der Titel durch Plinius den ganz Jungen (PdgJ WV 12,32.44) überliefert ist.
[3] Anders als Q. W. James: Vor „Wort“ und nach „Wort“. Verblingen 2003, S. 22 fordert.
[4] So Willehad Rimms: Wort Wort Wort. Ort 1993, 93.101. Ihm widersprach auf Heftigste, besonders was die alliterarischen Höhepunkte in Rimms’ Werk betraf, Bilga Hummerset: Innerevangelisches Wort. Bringzu 1925, S. 31.
[5] Wieder nach Weiser: Regeln einer biblischen Ästhetik, S. 29.
[6] Beweis der Notwendigkeit auch bei: Sibille Rilfer: Art. Schmalspurdiskussion, TRE 5, S. 277.
[7] Glücklicherweise ist theologisches Wissen immer auch Wissen, das andere Wissenschaften teilen oder wenigstens teilweise teilen. Siehe dazu: P. Partim: Teilen macht Spaß. Ganzerode 2001, S. 6-222.
[8] Vorzüglich definiert von Franziska Scheitert: Rahm, Rahmen und ihre Sprengung. Zipfel 1984, S. 87.
[9] Die beständige Relativierung der eigenen Erkenntnisfähigkeit als einer menschlichen ist kein Phänomen unserer Zeit, die oft eines zu geringen Selbstbewusstseins geziehen wird. Biblisch zum Beispiel liegt der Beweis der Begrenztheit der Erkenntnis noch vor dem Entstehen der Erkenntnis überhaupt. Denn hätten Adam und Eva vom Apfel gegessen (Gen 3,6), wenn sie vorher erkannt hätten, dass sie damit Strafe (Gen 3,16-19) auf sich zögen? Bestimmt nicht (Gen 3,25)!

  • Friedhelm Weiser: Regeln einer biblischen Ästhetik, Würzburg 1966.
  • Berthold Bruch: Ästhetik in der Rezeption, Burzwürg 1954.
  • Robert the Bruce: Unsinn im Wort, Scottingham 1327.
  • Q. W. James: Vor "Wort" und nach "Wort", Verblingen 2003.
  • Willehad Rimms: Wort Wort Wort, Ort 1993.
  • Bilga Hummerset: Innerevangelisches Wort, Bringzu 1925.
  • Sibille Rilfer, 'Schmalspurdiskussion', in: TRE 5 (1980), S. 123-144.
  • P. Partim: Teilen macht Spaß, Ganzerode 2001.
  • Franziska Scheitert: Rahm, Rahmen und ihre Sprengung, Zipfel 1984.
 
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