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Rezension zu Conrad Neuberts „Glaube und Wissenschaft“ Drucken E-Mail
Geschrieben von Bert Neu   
Donnerstag, 22. Oktober 2009

Rezension zu Conrad Neuberts „Glaube und Wissenschaft“

Bert Neu


Es werden wesentlich mehr Rezensionen gelesen als Monographien, woraus folgt, dass einige miesmachende Rezensenten einigen Erfolg im Miesmachen haben. Wissenschaft ist immer schwierig. Aber Meckern und Miesmachen ist immer ziemlich leicht. Darum möchte ich mich hier auch in der Gattung versuchen, denn meckern kann jeder.

Neuberts Artikel weist zwei grundlegende Mängel auf. Zum einen wird „Glaube“ und „profanhistorische Methode“ rhetorisch als ein gegensätzliches Begriffspaar aufgebaut, sachlich ergibt sich diese Gegenüberstellung aber nicht. Zum (viel gewichtigeren) anderen: Neubert erwähnt nicht, welches Wissen oder Verstehen durch den Glauben ermöglicht wird.

Zu erstens (denn das ist nicht so interessant): Nach Neubert werden bestimmte Texte erst richtig verstehbar, wenn man glaubend an sie herangeht. Er behandelt dabei ständig „Glaube“ und „profanhistorische Methode“ als wären das Gegensätze. Aber man kann doch als Christ ohne Vernachlässigung seines Bekenntnisses Erkenntnisse mit den Mitteln der profanen Geschichtswissenschaft gewinnen. Dass man glaubt, schließt doch Methodenanwendung gar nicht aus! Auch nicht die Anwendung „profanhistorischer“ Methoden. Die Verknüpfung von Methoden und Glaube muss ja nicht gleich bedeuten, dass man griechische Zeitformen existentiell auf sich bezieht (etwa: „Ich bin ein Aorist.“) oder die Differenzierung in Überlieferung und Redaktion (zum Beispiel: „Mein Körper ist nur ein redaktioneller Nachtrag, der meine Seele rahmt.“). Glaube und Wissenschaft schließen sich nicht aus.

Allerdings, wenn man genauer hinsieht, möchte Neubert ja auch gar nicht die Profanhistorie aus der Bibelexegese ausschließen, sondern, dass der Glaube hinzukommt zur profanhistorischen Methode. Nur hat er diesen sachlichen Zusammenhang nicht rhetorisch umgesetzt. So erwartet man die ganze Zeit von ihm, dass er endlich die sakralhistorische Methode benennt, die er offenbar beliebt machen möchte. Tut er aber nicht.

Das führt mich zu zweitens (jetzt kommt das, worüber Neubert sich wirklich ärgern wird): Er hat viele Worte gemacht, das Meiste mindestens zweimal gesagt und sich mehrmals wiederholt. Aber über der Verleumdung der profanhistorischen Methode vergisst Neubert, die Mittel zu präzisieren, mit denen er glaubend Erkenntnisse gewinnen will. Und er verliert auch kein Wort darüber, was er eigentlich erkennen möchte. Denn es ist doch so: Wenn man einen Text existentiell auf sich wirken lässt, kommt eine existentielle Wirkung zustande. Ein neues Selbstverständnis. Und vielleicht auch eine neue Weltdeutung, aber die ist dann religiöser Natur und nicht sachlicher. Der Wissenschaft aber - das sage ich voller Stolz - der Wissenschaft geht es nur um die Sache. Nicht um das Ich des Wissenschaftlers. Jedenfalls ist das bei der historischen Wissenschaft so.

So kommt es, dass, wenn man glaubend die Verben in Mk 9,23f zählt und die Partikel zusammensucht, man das gleiche Ergebnis bekommt, wie wenn man es nichtglaubend tut. Ich habe es selbst ausprobiert: 7 Verben, die Partikel: de. „aber“, eiv „wenn“, euvqu.j „sogleich, alsbald“.

Also. Erkenntnisse, die man glaubend aus Texten gewinnen kann, sind grundsätzlich anders, als historische Erkenntnisse. Und da Neubert so vehement behauptet, es gäbe historische Erkenntnis, die man nur mit dem Glauben gewinnen kann, ist er schuldig, zu zeigen: WIE DENN? WELCHE DENN?

Mach Sie Ihre Hausaufgaben, Herr Neubert!
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 22. Oktober 2009 )
 
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