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Geschrieben von Anne-Karoline Distel   
Samstag, 28. Februar 2009

Eine Gabe und ein Fluch

Betrachtungen zum Prozess der Zivilisation
am Beispiel Adrian Monk

Anne-Karoline Distel
Hamburg

Wenn man schon ein Serienopfer ist, sollte man sich doch wenigstens ab und zu kritische Gedanken zu den Verführern machen. Und so kommt es dann, dass man Klimaveränderungen mit dem Verhalten eines Detektivs in Verbindung bringt. Die Rede ist von Adrian Monk, einem ehemaligen Kommissar der Polizei von San Francisco. Er wurde vom Dienst suspensiert, als sein auffälliges Verhalten nach dem Tod seiner Frau Trudy Anne unhaltbar wurde, ein Verhalten, dass man ohne Zweifel „exzentrisch“ nennen muss. Dieses Verhalten legte er bereits während seiner Kindheit an den Tag, wie er in gezeigten und erzählten Rückblicken immer wieder seinen Assistentinnen Sharona Fleming (bis Folge 37) und Natalie Teeger1 (seit Folge 38), seinem ehemaligen Vorgesetzten und Freund Captain Leland Stottlemeyer sowie dessen Helfer Lieutenant Randy Disher erläutert. Auch Adrians Bruder Ambrose ist ein Exzentriker, denn er hat, seit der gemeinsame Vater die Familie verlassen hat, als Adrian acht Jahre alt war, das Haus seit 25 Jahren nicht verlassen. Ein Eremit mit dem Nachnamen Monk also. Auch Adrian hat nach dem Tod seiner Frau drei Jahre das Haus nicht verlassen. Adrian Monks auffällige Verhaltensweisen äußern sich in seinen Phobien (u.a. Bakterien, Milch, Flugzeuge, Höhe, Dunkelheit, Berührungen, nackte Menschen2 und Sexualität im Allgemeinen3, enge Räume ...) und Neurosen (Waschzwang, verschiedene Bestandteile einer Mahlzeit müssen auf unterschiedlichen Tellern angerichtet sein, Symmetriezwang4, Vorliebe für runde Zahlen, besonders die 1005). Er ist in Behandlung bei dem Psychiater Dr. Charles Kroger, aber ob ihm die Sitzungen helfen oder doch seine Arbeit für die Polizei, ist fraglich.
Der Bezug zum Klimawandel bzw. zur Umweltverschmutzung liegt darin, dass Monk pro Folge (ca. 42 min) durchschnittlich geschätzte fünf Feuchttücher benötigt, die er von seiner jeweiligen Assistentin mit dem verzweifelten Ausruf „Tuch!“ einfordert. Die Menge an Küchentüchern ist dabei außer Acht gelassen. Sein Waschzwang führt zu weiterem eigentlich unnötigen Wasserverbrauch, dass er seine Geschirrspülmaschine immer zweimal durchlaufen6und seine Wäsche in der Wäscherei immer zweimal waschen lässt, ebenso. Seine Essgewohnheiten tragen zu einem übermäßigen Gebrauch an Geschirr bei, was wiederum zu mehr schmutzigem Geschirr führt, was uns wieder zum Geschirrspülerproblem bringt. Sein Zwang, dass alles entweder symmetrisch sein oder „gut“ aussehen muss, bringt es mit sich, dass er wiederholt Lebensmittel dem Müll übergibt, weil sie nicht seinen Vorstellungen entsprechen.7 Und obwohl man doch im Zeitalter der Aufklärungsfilme von Al Gore denken müsste: „Nein, was für ein Umweltschwein!“ , ist Adrian Monk, der defekte Detektiv, einem in seiner Hilflosigkeit sympatisch. Das liegt selbstverständlich an der Überzeichnung und an der gewissen Harmlosigkeit seiner Neurosen. Ein Hannibal Lecter ist da ein ganz anderes Kaliber. Aber ist Monk nicht auch der zivilisierteste Mensch der Welt, zumindest nach Maßstäben von Norbert Elias? Wenn man den Prozess der Zivilisation einmal vereinfacht vom Höhlenmenschen zu Adrian Monk verfolgen will, so kommt man vom Essen rohen Fleisches direkt vom Tier über die hoch entwickelte Kochkunst der meisten Kulturen (um das mal abzukürzen) zu einem, der sein Essen auf verschiedene Teller verteilt.8 Auch seinen Zwang zur Systematik, den er schon als Kind hatte, kann man in gewisser Weise vom unzivilisierten Menschen, der den Ursprung allen Seins auf einen Schöpfer beschränkte, während die Griechen immerhin soweit waren, dass alles aus vier Elementen bestehe und man doch heute sagen kann, dass es sehr viele unterschiedliche Atome gibt, aus denen alles aufgebaut ist als einen Prozess der wachsenden Komplexität verfolgen.9 Auch der IQ scheint doch durchschnittlich mit fortschreitender Menschheitsgeschichte anzusteigen.10 Besonders auf den Sexualtrieb soll noch eingegangen werden. Alles Sexuelle scheint Monk widerwärtig – nackte Menschen sind ihm sehr unangenehm, er redet nicht über seine (sowieso nicht vorhandene) Sexualität und auch mit seiner Frau Trudy ist er vermutlich nie weiter als zu einem Kuss gegangen. Dieser zumindest ist in seinem Hochzeitsvideo festgehalten.11 Seine Intimität im Bett mit Trudy beschränkte sich nach seiner eigenen Aussage in einer Sitzung bei Dr. Kroger auf Händchenhalten. Und ist nicht die Kontrolle der Triebe auch ein Zeichen für fortschreitende Zivilisation - Adam und Monk als Antagonisten? Ein besseres Anzeichen für seine Triebkontrolle ist seine Unfähigkeit zu Lachen oder Witze zu verstehen.12 Wenn man an Sigmund Freud denkt, muss man sich doch fragen, „Hat Monk kein Unterbewusstes?“ Aber das ist aufgrund seiner psychischen Störungen nicht möglich. Ist Monk aber ein höher entwickelter Mensch als der Durchschnitt? Zweifelsfrei ist er intelligenter und auf eine seltsame Weise auch kultivierter. In der Folge „Mr. Monk will Vater werden“13 nimmt Monk einen 22 Monate alten Jungen bei sich auf, der Hauptzeuge in einem Mordfall ist. Der Junge ist Monk in seinem Verhalten ähnlich und lernt schnell von ihm „Ordnung ist wichtig“ und derlei Dinge. Natalie äußert schon fast besorgt die Frage, ob der Junge eine neue Spezies vertrete, was selbst Monk Angst macht (okay, das war nicht schwer). Aber ist das der Junge? Und wenn ja, wäre das gut für die Menschheit und für den Planeten? Vermutlich doch nicht, denn die Menschheit würde mangels Fortpflanzung rasch aussterben und den Planeten mit Tüchern den Garaus machen. So lange aber im Real Lifedie Mehrzahl der derartig psychisch Gestörten als anormal betrachtet und weggesperrt wird, müssen wir uns wohl keine Sorgen machen. Aber da ist auch immer noch Sagrotan... (finsteres Lachen, das langsam verstummt)


[1] Beide Assistentinnen sind übrigens alleinerziehend. Seltsamerweise haben beide trotzdem Zeit genug, sich 24 Stunden am Tag um das „Kind“ Monk zu kümmern.
[2] Mr. Monk gegen den Nudisten, Staffel 6, Folge 3.
[3] u.a. Mr. Monk und der Zeitungsjunge, Staffel 2, Folge 10.
[4] u.a. Mr. Monk als Butler, Staffel 5, Folge 12.
[5] u.a. Mr. Monk ist auf Sendung, Staffel 5, Folge 13 (Als Natalie ihm sagt, dass der Radiosender „99,9“ heiße, ist Monks Reaktion: „So knapp...“)
[6] Mr. Monk ist auf Sendung, Staffel 5, Folge 13.
[7] Ein „Die Kinder in Afrika würden sich freuen!“ kann da auch nicht mehr helfen.
[8] Nebenbei bemerkt ist Monk kein Vegetarier, obwohl das passen würde.
[9] Auch die Sätze werden im Durchschnitt länger, fürchte ich.
[10] Habe ich letztens irgendwo gelesen, finde es aber nicht mehr.
[11] Mr. Monk ist auf Sendung.
[12] Mr. Monk ist auf Sendung.
[13] Staffel 3, Folge 16.

Letzte Aktualisierung ( Montag, 20. April 2009 )
 
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